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No need to run and hide
It's a wonderful, wonderful life
No need to laugh and cry
It's a wonderful, wonderful life

„Wonderful Life“ (black)

Es ist der vierte Tag im Monat April im Jahre 2020. Ein Samstag. Ein sonniger Tag. Eigentlich ein toller Tag um die Zeit mit seinen Liebsten draussen zu verbringen, shoppen zu gehen oder einen Drink in einer Gartenkneipe zu geniessen und anderen beim Spazieren zuzuschauen. Eigentlich.

Denn seit bald drei Wochen herrscht in der Schweiz – und nicht nur hier – eine ausserordentliche Lage; manche würden es wohl Notstand nennen. Der Grund: #COVID-19.

Wie in einem verworrenen David-Lynch-Film so fühlt man sich auch jetzt in einer surrealen Welt: Das komplette soziale Leben ist lahmgelegt; nur noch die notwendigsten Geschäfte sind geöffnet; Schulen sind geschlossen; viele Menschen haben keine Arbeit. Einsamkeit. Ratlosigkeit. Hoffnungslosigkeit.

Und jetzt erkennen wir Menschen halt wieder einmal auf schmerzliche Weise, wie fragil das Leben doch eigentlich ist – und das man einander Sorge tragen sollte. Und auch wenn es Menschen gibt, die gerne Grenzen schliessen, Menschen wegsperren oder verhungern lassen würden; so interessiert sich ein Virus nicht für Grenzen. Ihm ist auch relativ egal, was der Mensch gewählt hat oder was er isst.

Anders aber als in einem Lynch-Film darf man hier durchaus auf ein „Happy End“ hoffen. Ich möchte meinen unverbesserlichen Glauben an das Gute im Menschen nicht verlieren; wenn ich sehe, wie Nachbarschaftshilfen funktionieren, wie viele Menschen in leider unterbezahlten Berufen (über eine faire Bezahlung müssen wir unbedingt sprechen!), für andere da sind; wenn ich sehe, dass viele für einmal ihre politischen Differenzen vergessen, so lässt mich das hoffen. Das Leben ist schön und es ist zu kurz um es mit Hass auf andere zu verbringen. Gerade jetzt.

Anmerkung: Der Text widerspiegelt nur und ausschliesslich meine Sicht und meine Gedanken. Ich masse mir nicht an, für andere Menschen zu sprechen… Aber vielleicht fühlt sich jemand durch meine Zeilen angesprochen… Das würde mich natürlich freuen…

Ich mag Rückblicke eigentlich nicht. Sie erinnern mich immer ständig an meine ganzen Fehler. Und eigentlich wollte ich dieses Jahr keinen schreiben. Als ich aber den Rückblick bei Philippe Wampfler  las, hatte ich zumindest eine Inspiration. So erfolgreich wie er bin ich allerdings – leider – nicht.

Lediglich 39 Artikel habe ich in diesem Jahr veröffentlicht – die meisten im November 2012. Das Echo auf viele Beiträge war sehr positiv, auch wenn keine eigentlichen Diskussionen in meinem Blog stattgefunden haben – es gab ab und zu mal einen Kommentar. Im «realen Leben» werde ich übrigens auf meine Blogbeiträge nie angesprochen. Ein Umstand, der mir nicht ganz ungelegen kommt…

Ich liebe es zu schreiben. Mit Worten zu spielen, mit Texten zum Nachdenken anzuregen. Gewiss, meine Kommasetzung ist ganz altmodisch (und vermutlich vielfach unnötig) und meine langen Schachtelsätze machen das Lesen nicht ganz einfach. Aber das ist meine Art zu schreiben. Mehr kann ich nicht.

Wenn ich ein Fazit aus dem vergangenen Jahr ziehen sollte, wäre es wohl ein durchaus gemischtes: Die Welt ging nicht unter. Aber die Menschheit tanzt in einem aussichtslosen Tanzwettbewerb mit dem Teufel um ein klein wenig Verschnaufzeit. Der letzte Tanz hat begonnen und die Menschheit hinkt – nicht nur auf der Tanzfläche – hinterher. Nein, auch ohne Weltuntergang sieht es düster aus. Und nein, damit meine ich nicht die nackten Wirtschaftszahlen, die durchaus auch schlecht sein können. Ich meine die Menschheit als solches.

Folgendes Zitat zeigt ganz schön, was ich denke:

«We’re not gonna make it, are we? People, I mean. »

«It’s in your nature to destroy yourselves. »

«Yeah. Major drag, huh? »


Zitat aus «The Terminator 2: Judgement Day»

Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich ja über meinen Blog schreiben. Eigentlich. Und «uneigentlich» (ja, das Wort gibt es nicht… ich weiss…) hängt das alles irgendwie zusammen. Ich kann für mich nicht in Anspruch nehmen, die Welt verändern zu können. Für so wichtig nehme ich mich nicht. Aber ich versuche – auch wenn ich ständig scheitere – jeden Tag meine Welt zu verbessern. Irgendwie. Und solange ich morgens noch die Kraft finde, aus dem Bett zu steigen, werde ich es versuchen…

Weihnachten steht vor der Türe und im TV laufen all die alten Filme, mit denen ich gross geworden bin und die ich seit meiner Kindheit schätze. Allen voran natürlich «Der kleine Lord» mit einem wunderbaren Sir Alec Guinness.

«Der kleine Lord» blieb mir dieses Jahr besonders in Erinnerung: Eine rührende Geschichte über einen Jungen, der in seinem Onkel nur das Gute sieht und all die negativen Seiten, die den Erwachsenen durchaus nicht verborgen bleiben, ausblendet. Jetzt könnte man einwenden, dass der Junge hoffnungslos naiv und gutgläubig wäre. Ein «Gutmensch» halt, wie es sie heutzutage so oft gibt und wie sie oft belächelt werden.

Für mich steht der kleine Junge für das, was uns Menschen eigentlich ausmachen sollte: Für den Glauben an das Gute im Menschen.

Ich möchte in einer Welt leben, in der man Menschen wieder vertraut. In der man Menschen nicht zuerst nach ihrem Aussehen, ihrem Glauben, ihrer politischen Einstellung beurteilt oder gar verurteilt. Ich möchte in einer Welt leben, in welcher ein Flüchtling die Hilfe erhält, die er verdient. In der ein Mensch, der aus seiner Heimat flüchten muss – aus welchen Gründen auch immer – wie ein Mensch behandelt und nicht als «Problem» oder «Kostenfalle» gesehen wird. Und in der jeder Mensch eine Chance erhält, so dass ich mir so etwas nicht mehr wünschen muss…

Und ich möchte in einer Welt leben, in der es selbstverständlich ist, anderen Menschen zu helfen, für andere Menschen da zu sein, für die Menschlichkeit einzustehen.

In dieser Welt möchte ich leben. Und das nicht nur während der Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr über. Für so eine Einstellung sollte es keine Programme wie «Jeder Rappen zählt» geben müssen.

Solidarität und Menschlichkeit sollten keine Werte sein, die dem «Geben-und-Nehmen»-Prinzip unterliegen. So eine Welt wünsche ich mir.

Es gibt seit eh und je, auch in «Der kleine Lord», Menschen, denen es besser geht, die viel besitzen und es gibt solche, die weniger oder gar nichts besitzen. In unserem heutigen Wirtschaftssystem, das auf biegen und brechen immer wieder gerettet wird, wird es solche Unterschiede immer geben.

Es gibt Menschen, die besitzen sehr viel Kraft. Sei es politische oder finanzielle. Von ihnen würde ich mir wünschen, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst werden… 

«Aus grosser Kraft folgt grosse Verantwortung» (Zitat aus «Spider-Man»)

Grosse Kraft bringt grosse Verantwortung mit sich. Egal ob in der Wirtschaft oder in der Politik. Wer einen grossen Konzern führt, sollte nicht nur (Aktionärs-)Gewinne vor Augen behalten sondern sollte nie vergessen, dass hinter den Zahlen auch Menschen stehen. Ein Politiker, der sich jederzeit für Wahlen verkaufen muss, sollte nie vergessen, dass seine Worte gehört werden.

Ich zweifle nicht, dass sich viele Politiker und Manager an dieses Zitat aus «Spider-Man» halten. Sie sind es, die stillen Schaffer im Hintergrund, die man niemals vernimmt. Zu hören sind dafür andere…

Unser Leben währt nicht unendlich auf Erden. Auch unser Planet hat nicht unendlich viele Ressourcen. Es wird uns nicht gelingen, dass alle Menschen alles haben. Das sollte uns aber nicht daran hindern, jedem Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen.

Diesen Text habe ich mit dem «Kleinen Lord» begonnen, so werde ich ihn mit einem weiteren Zitat beenden: «Jeder Mensch sollte mit seinem Leben die Welt ein ganz klein wenig besser machen.»

Ich wünsche mir eine bessere Welt. Für alle.

Inspiriert durch einen Blogpost von Philippe Wampfler will ich heute mal von meiner «Liebe zur Schweiz» schreiben. Nach meinen letzten Beiträgen, alle rund um das Thema «Rassismus» und meine Kindheitserlebnisse, könnte man wahrscheinlich denken, dass «Liebe» wohl ein falsches Wort ist…

Meine «Liebe» zur Schweiz ist in erster Linie eine tiefe Zuneigung zu Personen. Zuerst wären das mein Vater und meine Mutter, die sich damals, vor über dreissig Jahren auf das Abenteuer eingelassen haben, ein Kind zu adoptieren. Und wer sich mit Adoptionen beschäftigt, der weiss, wie «umständlich» diese sind, wie viel «Papierkrieg» es bedeutet. Und wie viel Geduld von wartenden Eltern.  Es waren in das damalige Abenteuer auch andere Menschen involviert, die alle weiter sahen, als es damals, in den 1970er üblich war. Auch ihnen gebührt meine tiefe Zuneigung.

Ich bin nicht patriotisch aufgewachsen. Den «1. August» habe ich nie gemocht. Ich mag unnötigen Krach nicht und gehe ihm aus dem Weg. Ich konnte nie verstehen, warum man unverhältnismässig viel Geld in die Luft schiesst.

Erst viel später wurde ich politischer. Bereits aus meiner Vergangenheit wusste ich, dass es wohl ein «Normalzustand» ist, wenn man als nicht «typischer» Schweizer angefeindet wird. Ich wusste aber auch, dass das nicht rechtens war. Deshalb fing ich an, mich für Politik zu interessieren. Es gab eine Zeit in der Schule, in der ich der einzige war, der die sieben Bundesräte mit vollem Namen, Partei- und Departementszugehörigkeit kannte. Eine grosse Leistung, wenn man von Leuten umgeben war, die stets betonten, dass sie «schweizerischer» als ich waren.

Die «Schweiz» als «Institution», als Land, kann ich nicht lieben. Sie hat mir nichts gegeben und – zugegebenermassen – auch nichts verlangt, wenn man von meinem Geld in Form von Steuern und meiner Zeit in Form von Zivilschutz absieht. Mein «Patriotismus» hält sich in sehr überschaubaren Grenzen – er ist schlicht nicht vorhanden. Ich denke nicht in Landesgrenzen. Diese sind immerhin im Gegensatz zu denjenigen in den Köpfen der Menschen fass- und veränderbar.

Wenn mein «Patriotismus» nicht vorhanden ist, was liebe ich dann an der Schweiz? Ich mag die Menschen. Nicht alle, einige. Eigentlich nur sehr wenige. Aber ich freue mich, dass es immer mehr Menschen gibt, die mir zeigen, dass man auch über äusserliche Unterschiede hinweg, gleich denken und handeln kann. Ohne Unterschiede. Dafür braucht es, denke ich, keine «Schweiz».

Am vergangenen Dienstag, dem 06. November 2012, wurde in den USA ein neuer Präsident gewählt. Wie sich am Mittwochmorgen dann herausstellte war der «neue» Präsident der «Alte». Barack Obama. Der erste afroamerikanische Präsident der USA.

Eigentlich wollte ich die Wahlen auf «CNN» live mitverfolgen. Eigentlich. Denn, wie es der Zufall wollte, stiess ich beim Zappen auf eine interessante Dokumentation über den amerikanischen Sänger und Menschenrechtsaktivisten Harry Belafonte: «Sing Your Song».

Eine berührende, sehr intime Dokumentation über den heute 85jährigen Schauspieler, der manchmal auch singt und seinen ewig dauernden Kampf für eine bessere Welt. Die «zeit.de» schrieb über den Film:

Sing your song ist ein Stück weit Selbstdefinition und Lebensbetrachtung Belafontes, den es nach eigenen Angaben immer wieder dahin zieht, "wo die Menschen um Gerechtigkeit kämpfen". Aber er ist auch ein glaubwürdiges und authentisches Plädoyer für gegenseitiges Verständnis und mehr Menschlichkeit in der Welt. (Quelle: www.zeit.de)

Die Dokumentation zog mich in ihren Bann und ich vergass die Präsidentenwahl vollends.

Am anderen Tag habe ich mich in das Leben von Harry Belafonte eingelesen und fand ein 99-Fragen-Interview, ebenfalls auf «zeit.de», in dem ich folgende Frage faszinierend fand:

Haben Schwarze besseren Sex als Weiße?
Da ich niemals Sex in Gestalt eines weißen Mannes hatte, kann ich diese Frage schwerlich beurteilen. Aber, lassen Sie mich bei Ihrer Frage, die Sie in einer frivolen und saloppen Art und Weise formulieren, doch noch einen Moment lang bleiben und sie ernst nehmen. Wenn Sie fragen, ob es beim schwarzen Mann ein Gefühl der sexuellen Überlegenheit und, wichtiger, beim weißen Mann ein Gefühl der sexuellen Unterlegenheit gibt, dann antworte ich: Dieser Punkt ist der alles entscheidende für die Analyse der fortdauernden Präsenz von Rassismus auf der ganzen Welt. Nicht nur in der Hinsicht, in der Sigmund Freud Sexualität als Triebfeder aller menschlichen Energien und Ängste gedeutet hat; sondern im konkreten sozialen Sinn. Die große Angst des weißen Mannes liegt in seiner sexuellen Unterlegenheit gegenüber dem schwarzen Mann. Diese Angst scheint unausrottbar. Sie besteht in der Annahme, dass der schwarze Mann die weiße Frau verführen oder vergewaltigen möchte, und sie liefert, in der Folge, die Begründung und Triebfeder dafür, dass der schwarze Mann kastriert und gelyncht werden darf und muss. Wie war es früher? Du durftest eine weiße Frau nicht einmal angucken, ohne gelyncht zu werden. (Quelle: www.zeit.de)

Wer sich über Harry Belafonte informiert, stolpert zweifelsohne auch über eines der dunkelsten Kapitel der jüngeren Geschichte Amerikas: Diskriminierung von Farbigen und «Rassenunruhen». Die Antwort, die Belafonte auf diese Frage gibt, mag auf den ersten Blick unverständlich erscheinen, wenn man sich aber mit der damaligen Zeit beschäftigt, insbesondere mit dem berühmt-berüchtigten «Ku-Klux-Klan», dann wird schlagartig bewusst, dass die Menschen früher tatsächlich so dachten. Und auch heutzutage ist das Klischee noch weitverbreitet, dass «Schwarze» übermenschlich grosse Genitalien hätten und jede (vorwiegend «weisse») Frau damit förmlich aufspiessen könnten. Die Porno-Industrie lässt dieses Vorurteil immer noch aufleben…

Ich werde nie verstehen wie man Menschen nach ihrem Äusseren beurteilen und klassifizieren kann. In «Reinrassige» oder «Mischlinge» oder gar «Bastarde». Und ich werde nie verstehen, wie man vom Äusseren eines Menschen bestimmte (Menschen-)Rechte ableiten kann bzw. diese vorenthalten kann. Im Übrigen kann ich auch diejenigen nicht verstehen, die ständig davon reden, dass die «Weissen» privilegiert sind. Rassismus wird nicht automatisch zur Gesellschaftskritik, wenn er sich gegen eine Mehrheit richtet…

Jeder Mensch ist gleich, egal welcher Hautfarbe, Nationalität, Geschlecht, Religion, politischer Einstellung er angehört. Ich weiss, dies mag für einige Zeitgenossen schwierig zu verkraften sein, vor allem dann, wenn sie denken, sie wären erhabener.

Es macht mich wütend zu sehen, dass es immer noch Rassismus gibt. Es macht mich wütend zu sehen, dass man dagegen nicht vorgehen kann. Denn – und das ist die Krux einer Demokratie – man muss auch solche «Meinungen» aushalten können.

Die Ironie wollte es, dass an diesem Wahlabend wieder ein «Farbiger» zum Präsidenten gewählt wurde trotz des latent vorhandenen Rassismus in der Gesellschaft. Denn, wie sonst könnte man sich wohl den folgenden «Tweet» eines «Romney»-Kampagnenleiters (http://www.mediaite.com/online/author-of-romney-campaign-blog-post-warns-white-women-against-voting-for-obama/) erklären:

Ich habe in meinem Leben viel erlebt. Zuviel. Ich habe erlebt wie es ist, wenn man nur nach dem Äusseren beurteilt wird. Wenn man sich jeden Tag erneut beweisen muss. Wenn man jeden Tag zeigen muss, dass man auch als «Farbiger» eine Daseinsberechtigung hat. Ich bin wütend. Aber ich hasse nicht. Nicht mehr. Ich kann nicht mehr.

„Schweizer wählen SVP“ – und alle anderen? Was wählen Menschen,die keine rassistische und von Ängsten geprägte Politik wählen wollen? Die nicht auf ein reines Schwarz/Weiss-Denken aus sind?

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) hat als Slogan für die kommenden Wahlen im Herbst folgenden sehr prägnanten und sehr endgültigen Satz: „Schweizer wählen SVP“.

In einem Weblog habe ich folgenden Slogan gefunden: „SVP Politik ist ehrenhaft – Schweizer wählen SVP !“ (Quelle: http://www.judith-uebersax.ch/)

SVP Politik ist vermutlich vieles, aber definitiv nicht ehrenhaft. Vor allem aber polarisiert sie wie keine zweite Partei.


(Legende: „SVP“-Plakat, daneben der Spruch: „Alles andere…? Sind EU-Lutscher“)

Das obenstehende Foto habe ich bei einem meiner letzten Spaziergänge in unserem Dorf gemacht. Mal von der illegalen Beschmutzung der Wand abgesehen – ich meine damit den Spruch, nicht das Plakat – ist das eigentlich sehr repräsentativ: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

Die SVP möchte gerne ehrenhaft sein. Ihre Politik und insbesondere ihr Umgang mit Andersdenken ist für Aussenstehende und die Betroffenen manchmal äusserst befremdlich. Dabei bedient sie ihre Wählerschicht mit den passenden Opfer/Täter-Bilder: Auf der einen Seite das „Opfer“ – der Schweizer. Auf der anderen Seite der böse, nicht integrierte, kopftuchtragende, arbeitsplatzwegnehmende, sozialschmarotzende, scheininvalide Ausländer.

Denn die sind in immer verschiedenen Variationen meistens Schuld an den Problemen in unserem Land. Ausländer und natürlich die Linken, die mit dem bereits von den Nazis geprägten Begriff „Gutmenschen“ abfällig tituliert werden.

Leider können die anderen (Bundesrats-)Parteien nur reagieren statt agieren. Die SVP beherrscht das Spiel mit den Medien und dem Volk wie keine zweite. Leider. Und sie hat eine grosse Geldbörse im Hintergrund, der Marke Blocher.

Blogger «Datenmatsch» hat einen Artikel zum Thema «Ausländerpolitik» auf seinem Blog veröffentlicht. Da ich seine Meinung diesbezüglich nicht teile, antworte ich ihm mit einem entsprechenden Gegenartikel. Ziel einer solchen Diskussion ist das Sehen und Verstehen von anderen Argumenten, fernab von jeglichem Schwarz/Weiss-Sehen…

«Der Ausländeranteil ist heute höher als je und liegt heute über einem Fünftel der Wohnbevölkerung. Viele Sprechen inzwischen von einer Krise. In der Politik darf es so nicht weiter gehen, die Einbürgerungsanforderungen sind zu lasch!»

Das ist schlicht gelogen: Die Schweizer Staatsbürgschaft ist relativ schwierig zu erlangen. So müssen die Gesuchsteller unter anderem 12 Jahre warten, bis sie überhaupt ein Gesuch stellen können (dieses dauert dann noch ein paar Jahre) und ist auch nicht unbedingt sehr billig.

Von einer Krise spricht übrigens nur die SVP. Warum? Weil die SVP schlicht nur auf diesem Gebiet stark ist und weil sie nur noch hier Stimmen machen kann. (Es sind halt nicht alle Schweizer subventionierte Landwirte)

«Ein wichtiger Aspekt wird oft vergessen: Die Trennung „Schweizer“ – „Ausländer“ scheint nur auf den ersten Blick so einfach. Folgende Punkte machen dies deutlich:

Viele der Schweizer Bürgerinnen und Bürger sind eingebürgerte Personen.

Anderseits sind viele Ausländer und Ausländerinnen hier geboren oder aufgewachsen (zweite bzw. dritte Generation).»

Wozu benötigen wir denn überhaupt eine Trennung? Sind Menschen ausländischer Herkunft automatisch Menschen zweiter Klasse? Wozu soll das dienen? Solche Trennungen dienen vielmehr dazu, andere Gruppen zu diskriminieren.

«Ausländer sind und bleiben Ausländer (Essgewohnheiten, Sprache, (Religion), Mentalität, usw.) eine parallelgesellschaft wird sich entwickeln. Irgendwann ist die Parallelgesellschaft grösser, und fordert den nötigen Platz etc. Fakt ist,das unser Land langsam untergraben wird!»

Diese Aussage ist wohl die Kernbotschaft: «Ausländer sind und bleiben Ausländer». In ihrer Absolutheit lässt sie nicht einmal Spielraum für «Grenzgänger», zum Beispiel Doppelbürger. Aber solche möchte die SVP ja ohnehin nicht…

Parallelgesellschaften fördern diejenigen, die Ausländer liebend gerne an den Rand der Gesellschaft drängen…

Ich frage mich ja auch, von wem unser Land untergraben wird. Von der kosovarischen Putzfrau, die für einen miesen Stundenlohn schwarz arbeitet und so mit ach und krach ihre Familie durchbringt? Oder ist es vielleicht der deutsche Krankenpfleger, der heimlich nachts eine feindliche Invasion in die Schweiz plant?

Der Artikel hält so weder eine Lösung noch sachliche Ansätze bereit. Schade.

(Den folgenden Text habe ich exakt heute vor 3 Jahren begonnen… Leider hat er an Aktualität nichts verloren, deshalb stelle ich ihn fertig und online…)

Früher als ich noch in die Schule ging, als die Welt noch geordnet schien und es nichts gab, das mich hätte beeindrucken können, habe ich mir oft vorgestellt, ich wäre ein Bundesrat und würde die Geschicke des Landes in meinen Händen halten.

Heute kann ich abstimmen gehen, kann «meine» Vertreter nach Bern schicken, damit diese dann nach meinem Gusto regieren. Doch, halt, so einfach ist das ja nicht. Da gibt es noch einen Haufen anderer, die ebenfalls an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen und so sind wir dann in der Situation, dass man selten nur die eigenen Politiker im Parlament wiederfindet und oftmals noch viele, die einem nicht wirklich genehm sind.

Wir leben in einer Demokratie. Aber diese Demokratie heisst letztlich, sich dem «Willen» einer Mehrheit zu beugen. So idiotisch es auch klingen mag, von einer Mehrheit zu sprechen, wenn nur etwa dreissig Prozent wählen gehen und damit de facto über die anderen siebzig Prozent bestimmen (können).

Man kann natürlich niemanden zwingen, wählen und abstimmen zu gehen, denn dann wäre es ja keine «Demokratie» mehr.  Und bereits Tocqueville warnte vor der « Tyrannei der Mehrheit». Natürlich gibt es Gesetze und Regelegungen um Minderheiten zu schützen – aber nicht immer werden diese auch eingehalten.

Das kann man auch gut an den letzten Abstimmungen erkennen, die teilweise sehr polarisierend waren: Vorlage Nr. 554 («Für den Schutz vor Waffengewalt» ) hatte lediglich eine Stimmbeteiligung von ca. 48.8 % – also nicht einmal die Hälfte der (stimmfähigen) Bevölkerung! Vorlage Nr. 552 («Für die Ausschaffung krimineller Ausländer (Ausschaffungsinitiative)») lockte nur 52.6 % der stimmfähigen Bevölkerung hinter dem Ofen hervor.

So schafft es also eine Minderheit, anderen ihren Willen aufzudrängen, natürlich immer unter dem Deckmantel der Demokratie… Berücksichtigen wir nun, dass von der gesamten Einwohnerzahl der Schweiz nur ein Bruchteil stimmberechtigt ist, sieht es schon ein wenig düsterer aus. Es hat wohl schon seine Gründe, weshalb die rechten (bürgerlichen) Parteien den Ausländern, die hier arbeiten – und Steuern bezahlen! – das Stimmrecht verwehren… Dies ist übrigens mit ein Grund, weshalb die Schweiz in einem «Demokratie-Ranking» nicht einen der vordersten Plätze belegt.

Mangelhafte politische Beteiligung in der Schweiz
Die Schweiz erweise sich zwar hinsichtlich der Erfüllung individueller Freiheiten, aktiver Öffentlichkeit, Wettbewerb und Regierungsfähigkeit als ein demokratisches Musterland, heisst es weiter. Gewaltenkontrolle, Transparenz und Partizipation würden aber nur sehr schlecht umgesetzt.
In der Schweiz könne die Legislative die Regierung nur «sehr unzureichend kontrollieren», die Judikative sei im Vergleich mit anderen Demokratien «nicht sehr unabhängig». Zudem gebe es keine transparente Parteienfinanzierung, heisst es weiter.
Ausserdem befinde sich die politische Partizipation sowohl bei Wahlen als auch bei Abstimmungen auf einem sehr niedrigen Niveau. Ein grosser Teil der Schweizerinnen und Schweizer beteilige sich nicht an der Politik.
Beteiligen würden sich vor allem Gebildete, Wohlhabende, Ältere und überproportional Männer. Vom Ideal einer Demokratie, in der alle Bürgerinnen und Bürger sich politisch engagieren und deren Interessen und Werte gleichmässig in die politische Arena gelangen, ist die Schweiz laut Barometer «weiter als die meisten anderen Demokratien entfernt»

(«Tagesanzeiger Online»)

Ich habe mich heute Morgen schon zum Rückzug der «Initiative für die Wiedereinführung der Todesstrafe» geäussert. Offenbar war das ganze für Marcel Graf und sein Komitee wohl eher so etwas wie eine Art «Therapie». Denn, anders kann ich mir das ganze nicht erklären.

Schlussendlich haben einige Menschen, die zweifelsohne etwas Schreckliches erlebt haben, ihre Trauer und Wut in die Öffentlichkeit getragen – nur um zu «provozieren». Doch was wollten die eigentlich? Ich habe früher schon mal auf den Umstand hingewiesen, dass die Initianten die Todesstrafe nur bei Sexualdelikten (mit Todesfolge) forderten. Ein Raubmord, zweifelsohne nicht weniger schlimm, würde dann einfach «nur» mit Gefängnis gesühnt.

Schön, Marcel Graf und seine Familie hatten nun ihre berühmten «15 Minuten» Ruhm. Und was blieb? Ein bitterer Nachgeschmack, denn die ganze Diskussion zeigt wieder einmal sehr deutlich die Grenzen der Demokratie auf. Was wäre gewesen, wenn die Initiative angenommen worden wäre? Hätte man dann einfach die EMRK gekündigt, wäre aus der UNO ausgetreten und hätte munter alle Sexualstraftäter hingerichtet? Das kanns ja wohl nicht sein…

Ich weiss nicht, aber diese Initiative sagt mehr über die Initianten als über den Inhalt aus… Und ich weiss nicht, ob mich das nicht mehr beunruhigen sollte…

Chile hat sich zur südamerikanischen Antwort auf das nordische Modell entwickelt. Darunter versteht man die Wirtschaftspolitik der skandinavischen Staaten. In Details mögen sich Schweden, Dänemark, Finnland und Norwegen unterscheiden, im Grossen und Ganzen wollen jedoch alle das Gleiche: wirtschaftliche Effizienz und soziale Gerechtigkeit unter einen Hut bringen. Deshalb wird in Skandinavien der Wirtschaft so weit wie möglich freie Hand gelassen – die Beamten verstehen sich nicht als Manager. Der Staat sorgt vielmehr dafür, dass die unsozialen Auswüchse der Marktwirtschaft ausgeglichen werden. Das hat sich bewährt: Die nordischen Staaten gehören zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Staaten der Welt und haben die glücklichsten Einwohner.

Chiles scheidende Präsidentin Michelle Bachelet hat in ihren beiden Amtsperioden das Gesundheitssystem, die Renten und die Kinderzulagen ausgebaut. Sie sorgte dafür, dass die Profite aus dem einträglichen Kupfergeschäft – wie die Erdölgewinne in Norwegen – der Gesamtheit zugutekommen. Das hat der Sozialistin eine Zustimmung von 75 Prozent eingetragen und im Volk eine neue Mentalität entstehen lassen. «Heute sind wir alle Sozialdemokraten», sagte der Soziologe Eugenio Tironi dem «Economist».

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Suedamerikas-Erfolgsmodell/story/21088617

Bis gestern kannte ich die Schweizer «Version» von Alice Schwarzer, die «Altfeministin» wie sie auch von Tanja Walliser (JuSo) bezeichnet wird, Julia Onken (dipl. Psychologin, Psychotherapeutin, Autorin, Ausbildung in Gesprächs-, Gruppen- und analytischer Paartherapie, Weiterbildung Sprach- und Lauttherapie) nicht. Wie gesagt bis gestern. Da fand ich auf «20min.ch» einen äusserst lesenswerten Artikel bzw. ein Interview (Teil 1 und Teil 2), welches Onken und eine strenggläubige Muslima führten. Selten habe ich mich dermassen über ein solches Gebahren aufgeregt. Dabei spielt es keine Rolle, dass sich Onken gerne als Verfechterin für die Frau einsetzt. Unter anderem geht es im Interview auch um den «Aufruf», den Onken an die Frauen gemacht hat, diesen kann man hier nachlesen.

(…)Auch Männer sind lernfähige Wesen. Mein Schäferhund ist beispielsweise sehr wohl in der Lage, neben mir zu sitzen, während ich ein Salamibrötchen esse. Er sitzt da und der Geifer tropft ihm aus dem Maul. Ich sage: Sitz! Und er bleibt sitzen. Wenn das bei einem Schäferhund möglich ist, dann muss es auch Männern möglich sein, sich in Gegenwart einer Frau beherrschen zu können, auch wenn sie ihn vielleicht erotisch stimuliert.(…)

Bereits mit diesem Vergleich disqualifiziert sich Onken schon selber. Männer mit Schäferhunden zu vergleichen ist wohl kaum der richtige Weg um die – teilweise noch vorhandene – Diskriminierung von Frau und Mann zu beseitigen.

(…)Dann müssen wir an dieser Stelle festhalten: Es gibt nicht einen Islam. Es gibt offenbar verschiedene Islame. Aber warum zeigt ihr euren offenen, humanistischen Islam nicht öffentlich? (…) Es wäre eure Aufgabe, so etwas richtig zu stellen und euren Glaubensgenossen die Barbarei auszutreiben.(…)

Ich weiss ja nicht, in welcher Welt Onken lebt, aber so was ist ja ganz normal. Es gibt ja nicht einfach auch ein Christentum, oder? Wie unwissend muss man sich da schon stellen? Und wenn wir schon im Christentum sind: Entschuldigen sich etwa Bischöfe aus der Schweiz dafür, dass irische Priester sich an kleinen Jungs vergehen?

Ich wollte eine Diskussion, und die ist lanciert. Das Minarett ist nur ein Symbol. In einer Partnerschaft zum Beispiel verhält es sich ähnlich: Sie parkiert ihr Auto immer so saublöd in der Garage, dass er nebenan keinen Platz mehr hat, er macht den Klodeckel prinzipiell nicht zu. Das sind alles Symbole, mit denen der Streit anfängt. Dahinter aber stecken gegenseitige Kränkungen, die nie zur Sprache kamen, also ein ganzer Rattenschwanz an Emotionen – und genauso verhielt es sich jetzt bei der Minarett-Initaitve. (…) Auch ich bin für viele zur Rassistin geworden seit meiner Empfehlung.

Ich habe selten so dämliche wie auch kindische Vergleiche gelesen. Man kann ja auch alles überinterpretieren, oder? Und wenn sie eine Diskussion hätte initiieren wollen, hätte sie das durchaus auch tun können – aber nicht so.

Aber wo waren diese Leute, die Sie nun als bekennende Muslimin anfeinden, vor der Abstimmung? Hat man Ihnen etwas vorgemacht, etwa Toleranz vorgetäuscht? Darum geht es mir. Dass wir vorher in einem solchen Zwang waren, die unguten Gefühle gegenüber dem Islam nicht aussprechen zu dürfen.

Ungute Gefühle? Ich nenne das Unwissenheit und vor allem eine erschreckend salonfähig gewordene Islamphobie unter dem Deckmantel des «Frauenschutzes». Jetzt ist die Büchse der Pandora ja geöffnet, jetzt darf man hemmungslos kritisieren. 57 % Ja-Anteil legitimieren ja dazu…

Interessant ist auch die Antwort ihrer Gesprächspartnerin Sara, einer Schweizer Muslima am Ende des Interviews auf die Frage nach den Unterschieden zwischen ihr und Onken:

In der Tendenz zur Verallgemeinerung. Es ist nicht alles muslimisch, was unterdrückt wird. Nehmen Sie es nicht persönlich, aber ich sehe vor allem mangelnde Kenntnisse über unseren Glauben. Ein Urteil über den Islam erfordert ein vertieftes Verständnis für diese Religion.

Genau das ist der springende Punkt. In dieser Debatte tümmeln sich Leute, die nicht wirklich viel Ahnung über das Thema haben, oder alles, was sie sehen, durch ihre «westliche» Brille sehen (wollen). Das schadet dem Thema. Das «Ja» zur Minarett-Initiative macht es den hier lebenden Muslimen nicht einfacher. Wieder werden sie gebrandmarkt, ähnlich wie nach dem «09/11». Ob es gewisse Parallelen zur Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung in Europa um die 1930er Jahre herum gibt, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber einige Tendenzen sind schon erkennbar.

Übrigens, Tanja Walliser hat sich die Mühe gemacht und Onken auch einen offenen Brief geschrieben. Wirklich lesenswert. Ich fürchte allerdings, dass der Brief beim Empfänger nix gebracht hat…

… sind manchmal ziemlich realitätsfremd. So wie z. B. Evi Allemann (SP) und Viola Amherd (CVP), die gemeinsam gegen Killerspiele kämpfen…

Statt das „Übel“ bei den Wurzeln zu packen, belassen sie es bei harmloser Symptombekämpfung….

Und ja, ich oute mich: Ich spiele auch Killerspiele. Bin ich jetzt etwa verdächtig?!