Menü

abhijit bossotto

personal thoughts in an impersonal world

Ein Jahresrückblick. Oder so.

Ich mag Rückblicke eigentlich nicht. Sie erinnern mich immer ständig an meine ganzen Fehler. Und eigentlich wollte ich dieses Jahr keinen schreiben. Als ich aber den Rückblick bei Philippe Wampfler  las, hatte ich zumindest eine Inspiration. So erfolgreich wie er bin ich allerdings – leider – nicht.

Lediglich 39 Artikel habe ich in diesem Jahr veröffentlicht – die meisten im November 2012. Das Echo auf viele Beiträge war sehr positiv, auch wenn keine eigentlichen Diskussionen in meinem Blog stattgefunden haben – es gab ab und zu mal einen Kommentar. Im «realen Leben» werde ich übrigens auf meine Blogbeiträge nie angesprochen. Ein Umstand, der mir nicht ganz ungelegen kommt…

Ich liebe es zu schreiben. Mit Worten zu spielen, mit Texten zum Nachdenken anzuregen. Gewiss, meine Kommasetzung ist ganz altmodisch (und vermutlich vielfach unnötig) und meine langen Schachtelsätze machen das Lesen nicht ganz einfach. Aber das ist meine Art zu schreiben. Mehr kann ich nicht.

Wenn ich ein Fazit aus dem vergangenen Jahr ziehen sollte, wäre es wohl ein durchaus gemischtes: Die Welt ging nicht unter. Aber die Menschheit tanzt in einem aussichtslosen Tanzwettbewerb mit dem Teufel um ein klein wenig Verschnaufzeit. Der letzte Tanz hat begonnen und die Menschheit hinkt – nicht nur auf der Tanzfläche – hinterher. Nein, auch ohne Weltuntergang sieht es düster aus. Und nein, damit meine ich nicht die nackten Wirtschaftszahlen, die durchaus auch schlecht sein können. Ich meine die Menschheit als solches.

Folgendes Zitat zeigt ganz schön, was ich denke:

«We’re not gonna make it, are we? People, I mean. »

«It’s in your nature to destroy yourselves. »

«Yeah. Major drag, huh? »


Zitat aus «The Terminator 2: Judgement Day»

Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich ja über meinen Blog schreiben. Eigentlich. Und «uneigentlich» (ja, das Wort gibt es nicht… ich weiss…) hängt das alles irgendwie zusammen. Ich kann für mich nicht in Anspruch nehmen, die Welt verändern zu können. Für so wichtig nehme ich mich nicht. Aber ich versuche – auch wenn ich ständig scheitere – jeden Tag meine Welt zu verbessern. Irgendwie. Und solange ich morgens noch die Kraft finde, aus dem Bett zu steigen, werde ich es versuchen…

Weihnachtswunsch.

Weihnachten steht vor der Türe und im TV laufen all die alten Filme, mit denen ich gross geworden bin und die ich seit meiner Kindheit schätze. Allen voran natürlich «Der kleine Lord» mit einem wunderbaren Sir Alec Guinness.

«Der kleine Lord» blieb mir dieses Jahr besonders in Erinnerung: Eine rührende Geschichte über einen Jungen, der in seinem Onkel nur das Gute sieht und all die negativen Seiten, die den Erwachsenen durchaus nicht verborgen bleiben, ausblendet. Jetzt könnte man einwenden, dass der Junge hoffnungslos naiv und gutgläubig wäre. Ein «Gutmensch» halt, wie es sie heutzutage so oft gibt und wie sie oft belächelt werden.

Für mich steht der kleine Junge für das, was uns Menschen eigentlich ausmachen sollte: Für den Glauben an das Gute im Menschen.

Ich möchte in einer Welt leben, in der man Menschen wieder vertraut. In der man Menschen nicht zuerst nach ihrem Aussehen, ihrem Glauben, ihrer politischen Einstellung beurteilt oder gar verurteilt. Ich möchte in einer Welt leben, in welcher ein Flüchtling die Hilfe erhält, die er verdient. In der ein Mensch, der aus seiner Heimat flüchten muss – aus welchen Gründen auch immer – wie ein Mensch behandelt und nicht als «Problem» oder «Kostenfalle» gesehen wird. Und in der jeder Mensch eine Chance erhält, so dass ich mir so etwas nicht mehr wünschen muss…

Und ich möchte in einer Welt leben, in der es selbstverständlich ist, anderen Menschen zu helfen, für andere Menschen da zu sein, für die Menschlichkeit einzustehen.

In dieser Welt möchte ich leben. Und das nicht nur während der Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr über. Für so eine Einstellung sollte es keine Programme wie «Jeder Rappen zählt» geben müssen.

Solidarität und Menschlichkeit sollten keine Werte sein, die dem «Geben-und-Nehmen»-Prinzip unterliegen. So eine Welt wünsche ich mir.

Es gibt seit eh und je, auch in «Der kleine Lord», Menschen, denen es besser geht, die viel besitzen und es gibt solche, die weniger oder gar nichts besitzen. In unserem heutigen Wirtschaftssystem, das auf biegen und brechen immer wieder gerettet wird, wird es solche Unterschiede immer geben.

Es gibt Menschen, die besitzen sehr viel Kraft. Sei es politische oder finanzielle. Von ihnen würde ich mir wünschen, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst werden… 

«Aus grosser Kraft folgt grosse Verantwortung» (Zitat aus «Spider-Man»)

Grosse Kraft bringt grosse Verantwortung mit sich. Egal ob in der Wirtschaft oder in der Politik. Wer einen grossen Konzern führt, sollte nicht nur (Aktionärs-)Gewinne vor Augen behalten sondern sollte nie vergessen, dass hinter den Zahlen auch Menschen stehen. Ein Politiker, der sich jederzeit für Wahlen verkaufen muss, sollte nie vergessen, dass seine Worte gehört werden.

Ich zweifle nicht, dass sich viele Politiker und Manager an dieses Zitat aus «Spider-Man» halten. Sie sind es, die stillen Schaffer im Hintergrund, die man niemals vernimmt. Zu hören sind dafür andere…

Unser Leben währt nicht unendlich auf Erden. Auch unser Planet hat nicht unendlich viele Ressourcen. Es wird uns nicht gelingen, dass alle Menschen alles haben. Das sollte uns aber nicht daran hindern, jedem Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen.

Diesen Text habe ich mit dem «Kleinen Lord» begonnen, so werde ich ihn mit einem weiteren Zitat beenden: «Jeder Mensch sollte mit seinem Leben die Welt ein ganz klein wenig besser machen.»

Ich wünsche mir eine bessere Welt. Für alle.

Liebe zur Schweiz…

Inspiriert durch einen Blogpost von Philippe Wampfler will ich heute mal von meiner «Liebe zur Schweiz» schreiben. Nach meinen letzten Beiträgen, alle rund um das Thema «Rassismus» und meine Kindheitserlebnisse, könnte man wahrscheinlich denken, dass «Liebe» wohl ein falsches Wort ist…

Meine «Liebe» zur Schweiz ist in erster Linie eine tiefe Zuneigung zu Personen. Zuerst wären das mein Vater und meine Mutter, die sich damals, vor über dreissig Jahren auf das Abenteuer eingelassen haben, ein Kind zu adoptieren. Und wer sich mit Adoptionen beschäftigt, der weiss, wie «umständlich» diese sind, wie viel «Papierkrieg» es bedeutet. Und wie viel Geduld von wartenden Eltern.  Es waren in das damalige Abenteuer auch andere Menschen involviert, die alle weiter sahen, als es damals, in den 1970er üblich war. Auch ihnen gebührt meine tiefe Zuneigung.

Ich bin nicht patriotisch aufgewachsen. Den «1. August» habe ich nie gemocht. Ich mag unnötigen Krach nicht und gehe ihm aus dem Weg. Ich konnte nie verstehen, warum man unverhältnismässig viel Geld in die Luft schiesst.

Erst viel später wurde ich politischer. Bereits aus meiner Vergangenheit wusste ich, dass es wohl ein «Normalzustand» ist, wenn man als nicht «typischer» Schweizer angefeindet wird. Ich wusste aber auch, dass das nicht rechtens war. Deshalb fing ich an, mich für Politik zu interessieren. Es gab eine Zeit in der Schule, in der ich der einzige war, der die sieben Bundesräte mit vollem Namen, Partei- und Departementszugehörigkeit kannte. Eine grosse Leistung, wenn man von Leuten umgeben war, die stets betonten, dass sie «schweizerischer» als ich waren.

Die «Schweiz» als «Institution», als Land, kann ich nicht lieben. Sie hat mir nichts gegeben und – zugegebenermassen – auch nichts verlangt, wenn man von meinem Geld in Form von Steuern und meiner Zeit in Form von Zivilschutz absieht. Mein «Patriotismus» hält sich in sehr überschaubaren Grenzen – er ist schlicht nicht vorhanden. Ich denke nicht in Landesgrenzen. Diese sind immerhin im Gegensatz zu denjenigen in den Köpfen der Menschen fass- und veränderbar.

Wenn mein «Patriotismus» nicht vorhanden ist, was liebe ich dann an der Schweiz? Ich mag die Menschen. Nicht alle, einige. Eigentlich nur sehr wenige. Aber ich freue mich, dass es immer mehr Menschen gibt, die mir zeigen, dass man auch über äusserliche Unterschiede hinweg, gleich denken und handeln kann. Ohne Unterschiede. Dafür braucht es, denke ich, keine «Schweiz».