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abhijit bossotto

personal thoughts in an impersonal world

«Californication»

Ein Rück- und ein Ausblick.

Eigentlich wollte ich schon im November einen kleinen privaten Jahresrückblick wagen. Das  vergangene Jahr war in vielerlei Hinsicht für mich speziell und gewiss hätte ich viele Zeilen diesbezüglich zu Papier bzw. in meinem Blog niederschreiben können. Ich habe es nicht getan. Wie so oft waren vielerlei Faktoren dafür verantwortlich. Obwohl, wenn ich ehrlich bin, ist nur ein Faktor dafür verantwortlich: Ich. Ich hatte einfach keine Lust (mehr) und wie man an der Frequenz meiner Schreibtätigkeit in diesem Jahr ansehen konnte, war dies oftmals der Fall.

Wie einst Frankenstein seiner legendären Schöpfung im Horror-Roman der Autorin Mary Shelley das Leben einhauchte so gab auch ich meinem «Monster» meinem Weblog Leben. Und ähnlich wie Frankensteins «Sohn» aus einzelnen Körperteilen bestand, so bestand auch mein «Sohn» aus unzähligen Gedanken, Worten, Texten, die allesamt meinem Geiste entsprangen. Das war vor ungefähr vier, bald einmal respektive fünf, Jahren. Eine doch schon beachtliche Zeit für eine Internet-Seite…

Es war nie meine Absicht, grossartig mit meinem Geschreibsel aufzufallen. Ich hatte auch nie den Eindruck, irgendjemanden damit zu irgendetwas zu beeinflussen oder zum Nachdenken zu bewegen (ob’s wirklich so war kann ich natürlich nur vermuten – die spärlich gesäten Kommentare lassen jedoch darauf schliessen).

Früher war ich voller Enthusiasmus und habe dementsprechend viele Beiträge veröffentlicht. Mit der Zeit liess allerdings das Interesse ein wenig nach – mein Blog zu schliessen brachte ich jedoch nicht übers Herz. Wer bringt schon sein eigenes «Kind» um? Es kam die Zeit der Ernüchterung.

Vor einigen Tagen fiel mir ein kleines gelbes «Reclam»-Büchlein in die Hände. «Der Klassenaufsatz» von Erwin Wickert. Ein Buch, das ich während meiner Ausbildung lesen musste und mich immer noch fesselt. Es geht dabei um Schüler, denen ein Lehrer die Aufgabe stellt, einen Aufsatz über sich und ihre vermeintliche Zukunft zu schreiben. Das tun alle, mit grossem Fleiss. Jedoch vergessen alle eine wichtige Komponente: Den Tod.  Sie verplanen ihr Leben, planen Familie, Karriere und Erfolg und vergessen dabei, dass sie doch alle nur «endlich» leben.
Was für die Menschen zählt, ist heute im Internet ganz anders: Selbst gelöscht geglaubte Seiten kann man heutzutage mühelos wieder zutage fördern (Google und Webarchive sei dank…). Ob das immer im Interesse der Verfasser ist/war steht auf einem anderen Blatt…

Ich wusste oftmals nicht wie es mit meinem Blog weitergeht. Oftmals war ich voll motiviert, manchmal ziemlich demotiviert und manchmal war es mir einfach nur noch egal. Den Weg wusste ich nicht. Ich wusste aber, dass er endlich war. Ich wusste, dass ich mein «Kind» irgendeinmal sterben lassen müsste. So geht dieses langjährige Projekt nun einmal zu Ende und was erscheint passender als ein Jahreswechsel?

Seit ich damals angefangen habe zu bloggen, hat sich vieles verändert. Die sogenannt «sozialen Netzwerke» sind entstanden die, wenn man sie einmal genauer betrachtet, so sozial gar nicht sind und haben vielerorts das klassische Blogging verdrängt. Die Welt ist nun wirklich zu einem «globalen Dorf» geworden. Wie einfach ist es nun, jemanden zu «ergooglen» oder auf «Facebook» zu finden. Anonymität und Privatsphäre werden – meistens ziemlich leichtfertig – aufgegeben. Und wofür? Für die legendären fünfzehn Minuten Ruhm?

Das Internet hat vieles verändert. Vieles zweifelsfrei zum Positiven – aber wie so manche Medaille hat auch diese ihre zweite dunklere bittere Seite: Mit einem Mausklick können Texte gepostet werden. Mit einem Mausklick können Menschen fertiggemacht werden (Stichwort: «Cybermobbing»). Mit einem Mausklick können einige Menschen ganz reich und andere noch schneller arm werden. Und das die Regierungen dieser Welt mit dieser neuen «Macht» nicht umzugehen wissen, zementieren sie tagtäglich mit neuen, stumpfsinnigen Gesetzen in denen sie das «Real Life» 1 : 1 aufs «World Wide Web» übertragen wollen.

Das Internet ist zweifelsfrei «erwachsen» geworden – die Benutzer werden allerdings immer jünger und ich bin mir nicht ganz sicher, ob mir dieser Trend gefallen sollte…

Es erstaunt schon, wenn heutzutage schon dreizehnjährige «Kinder» mit «iPhones» herumlaufen, sich auf Facebook «präsentieren» oder ausnahmslos jede Tätigkeit auf «Twitter» der ganzen Welt kundtun müssen.
Vor bald einmal zwanzig Jahren erhielt ich zu Weihnachten eine elektrische Schreibmaschine geschenkt. Eine herrlich «moderne» Art um Texte zu schreiben! So war es mir doch schon möglich, meine «Manuskripte», bzw. das was ich in meiner Unwissenheit dafür hielt, niederzuschreiben (und wer sich an die Korrekturmöglichkeiten der damaligen Geräte erinnert, der weiss, dass «Korrigieren» damals nicht wirklich einfach war…). Die Maschine war eine erste Zäsur in meiner Tätigkeit als Schreiberling. Ich war gezwungen – gerade weil die Maschine nur beschränkte Korrekturmöglichkeiten bot – meine Texte zu strukturieren. Ich war gezwungen zu denken, bevor ich schrieb (etwas, was heute leider oftmals in umgekehrter Reihenfolge passiert…). Nichts regte mich mehr auf wenn ich eine Seite fertig hatte und in der dritten Zeile einen Orthographiefehler fand. Ich war damals so besessen, dass ich locker eine mühsam getippte A4-Seite zerriss und neu begann… Zumindest wusste ich, nach einem Tag hinter der Schreibmaschine, was es hiess, einen Text zu tippen.

Ich kam, für heutige Verhältnisse, relativ spät zur Informatik. Im Herbst 1996 kaufte ich  mir – vom im Sommer hart erarbeiteten Taschengeld – meinen ersten «IBM Personal Computer» für damals (für mich) teures Geld. Es war die Zeit in welcher ein Tintenstrahldrucker noch um die vierhundert Franken kostete. Auch dieser Schritt brachte eine Zäsur mit sich: Ich konnte endlich meine Texte tippen und später nachträglich korrigieren. Dieses Prinzip verfolge ich noch heute beim Schreiben… Seither habe ich nur noch selten von Hand geschrieben, ausser wenn es von der Schule her verlangt war oder ich einen Brief schreiben wollte. Solche schreibe ich auch heute noch von Hand. Vor allem Menschen, die mir etwas bedeuten. (Auch da kommt es schon mal vor, dass ich eine handgeschriebene A4-Seite zerreisse, wenn ich einen Fehler entdecke…)

Was hat nun meine alte im Keller dahinsiechende Schreibmaschine, mein alter auf dem Computer und meine Handschrift mit diesem Beitrag zu tun? Worum geht es mir eigentlich?

Ziel meines Weblogs war es immer, Texte zu veröffentlichen, die auch «zwischen den Zeilen» eine Botschaft enthielten. Das bedingte natürlich eine immense Arbeit, denn, wenn man eine Person nicht sieht, ist es ziemlich schwer, seine Aussage deuten zu können, da helfen auch die sogenannten «Emoticons» nicht viel weiter.

Aber auch hier zeigt sich ein Problem, das wir schon länger kennen: Die Menschen lesen nicht mehr richtig. Sie (über-)lesen einen Text zwar, übersehen dabei aber jegliche Feinheiten. Der Effekt ist vorhersehbar: Man redet bzw. schreibt aneinander vorbei. Zugegebenermassen ein nicht ganz so neues Phänomen. Allerdings durch den ganzen Internet-Boom ein wenig verstärkt.

Ich habe vor einigen Tagen mit diesem Text begonnen. Es sollte ein Abschiedstext werden, damit ich mein Blog nun endlich einmal begraben kann und doch, ich kann es nicht… Ich hänge zu sehr an diesem Konstrukt, an diesem Monstrum aus Texten und Gedanken.

Also dann, auf ein Neues.

PS: Dieser Text ist über mehrere Wochen hin entstanden, immer wieder überarbeitet worden und stellt nun eine erste annehmbare Fassung dar…
PPS: Den Titel werde ich in einem weiteren Beitrag noch erläutern…

„Was ich schon immer mal machen wollte“

Beinahe hätte ich ein blaues Auge bekommen. Grund: Ein frontal auf mich zufliegendes Stöcklein, von der lieben Sam :)

„Was ich schon immer mal machen wollte“

Hm, eine gute Frage…

– Einmal gewissen Politikern einer grossen Volkspartei die Meinung geigen…

– Ein Buch mit meinen Kurzgeschichten veröffentlichen

– Julia Stiles treffen *schmacht*

– Mit Julia Stiles ein Stück veröffentlichen

– Den Oscar für obenerwähntes Stück gewinnen :)

– Mit John Lennon, Joe Dassin und Freddie Mercury ein Lied singen…

Das wärs fürs erste. Ich werfe den Stock allen zu, die ihn auffangen (was bei meiner Wurftechnik ziemlich schwierig werden dürfte :D )