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abhijit bossotto

personal thoughts in an impersonal world

Nachtrag 2 zur Todesstrafe

Eigentlich war für mich das Thema «Todesstrafe» endgültig vom Tisch. Dachte ich zumindest. Hätte ich nicht heute auf der «Tagesanzeiger»-Homepage den Artikel bzw. den Interview-Hinweis mit dem geistigen Vater dieser schändlichen Initiative, Marcel Graf gefunden. Das ganze Interview findet sich übrigens bei der «Aargauer Zeitung» .

Im Grunde genommen beklagt sich Marcel Graf darin darüber, dass diese Initiative (zu) hohe Wellen geschlagen hätte. Und er hätte mit einem derartigen Echo nicht gerechnet. Hallo? Da fordert jemand die Todesstrafe und wundert sich dann über – teils auch negative – Reaktionen?

(Mich beunruhigt dabei allerdings mehr, dass er offenbar auch zahlreiche Sympathisanten gefunden hat…)

Der Reporter stellt dann folgende Meinung in den Raum, das ihm (Marcel Graf) Politiker unterstellen, dass die Initiative unseriös sei, gerade weil er abgetaucht wäre. Daraufhin antwortet Graf wie folgt:

«Ich möchte diese Meinungen nicht weiter kommentieren. Aber wir möchten festhalten, dass die Initiative seriös aufgezogen wurde und nicht nur als Provokation gedacht war. »

Ah ja, und was sollte es dann sein? Gemäss einem anderen Artikel, zu finden beim «Tagesanzeiger» ging es den Initianten doch darum, aufzurütteln.

Missbrauch von demokratischen Mitteln unter dem Deckmantel der Provokation… Ich weiss nicht ob ich das gut finden soll…

Mir ist noch folgendes eingefallen: Angenommen, die Initiative für die Wiedereinführung der Todesstrafe wäre durchgekommen und es wäre nur mal ein Unschuldiger hingerichtet worden, hätte der nächste Todeskandidat einer der Initianten sein sollen. Wäre doch nur gerecht, oder…?

Nachtrag: Mediale Aufmerksamkeit und die Todesstrafe

Ich habe mich heute Morgen schon zum Rückzug der «Initiative für die Wiedereinführung der Todesstrafe» geäussert. Offenbar war das ganze für Marcel Graf und sein Komitee wohl eher so etwas wie eine Art «Therapie». Denn, anders kann ich mir das ganze nicht erklären.

Schlussendlich haben einige Menschen, die zweifelsohne etwas Schreckliches erlebt haben, ihre Trauer und Wut in die Öffentlichkeit getragen – nur um zu «provozieren». Doch was wollten die eigentlich? Ich habe früher schon mal auf den Umstand hingewiesen, dass die Initianten die Todesstrafe nur bei Sexualdelikten (mit Todesfolge) forderten. Ein Raubmord, zweifelsohne nicht weniger schlimm, würde dann einfach «nur» mit Gefängnis gesühnt.

Schön, Marcel Graf und seine Familie hatten nun ihre berühmten «15 Minuten» Ruhm. Und was blieb? Ein bitterer Nachgeschmack, denn die ganze Diskussion zeigt wieder einmal sehr deutlich die Grenzen der Demokratie auf. Was wäre gewesen, wenn die Initiative angenommen worden wäre? Hätte man dann einfach die EMRK gekündigt, wäre aus der UNO ausgetreten und hätte munter alle Sexualstraftäter hingerichtet? Das kanns ja wohl nicht sein…

Ich weiss nicht, aber diese Initiative sagt mehr über die Initianten als über den Inhalt aus… Und ich weiss nicht, ob mich das nicht mehr beunruhigen sollte…

Todesstrafe: Initianten zeigen „Einsicht“

Wie eben in den Nachrichten zu vernehmen war, haben die Initianten die Initiative für die Wiedereinführung der Todesstrafe (bei Sexualverbrechen mit Todesfolge) zurückgezogen.

Auf der Webseite findet man denn auch folgenden, ziemlich schrägen Inhalt, der mehr über die Initianten als über ihre Initiative aussagt:

„(…)Keine Frage, für uns wäre die Todesstrafe wie in der Initiative beschrieben die Lösung vieler Punkte. Unbegründet zieht sich das Verfahren in unserem Fall seit eineinhalb Jahren hin, bis jetzt ohne Ergebnis.“

Wir möchten auf die folgenden Problem hinweisen:

Ah ja? Nur weil nicht jeder direkt eingebuchtet oder hingerichtet wird? Auch Täter haben in einer Demokratie Rechte…

  1. Der Untersuchungsbericht wird rund um die Aussagen des Täters gemacht, es fehlt eine Aussage im Namen des Opfers.

Was bringt eine Aussage im Namen des Opfers? Wenn sie noch leben würde, wäre es ja klar. Aber so ist es nur eine emotionale Aussage. Urteile sollten aber auf Fakten basieren…

  1. Die Hinterbliebenen habe keine Möglichkeit sich zu wehren und sind im Prozess nur als Zuschauer dabei.
  2. Die Verwahrungsinitiative durch deren Nichtanwendung eine „Volksverarschung“ ist.

Es ist ein laufendes Verfahren…

  1. Ein Täter bekommt Unterkunft, warmes Essen, Unterhaltung und Beschäftigungsmöglichkeiten mehr als jeder ehrliche Obdachlose.

Womit wir wieder beim Hinrichten sind, hm?

  1. Der Täter muss bestraft werden und nicht das Opfer und die Hinterbliebenen.

Der wird ja auch bestraft. Vielleicht nicht so hart wie das die Hinterbliebenen gerne hätten.

  1. Die Politiker müssen das Rechtssystem endlich auf die Seite des Opfers stellen. Ihr seid jetzt am Ball!

Das ist schon jetzt so…

Die Initiative war das einzige was wir rechtlich machen konnten um uns Gehör zu verschaffen. Unser Hauptziel war die Bevölkerung auf die Missstände aufmerksam zu machen (…)“

Ich hoffe, das Kapitel kann geschlossen werden. Ein Happy End wird es für niemanden geben.