Ein nächtliches Gespräch…,

Folgenden Dialog habe ich vor einigen Jahren einmal geschrieben. Heute habe ich ihn zufälligerweise wieder gefunden und dachte, er passt ganz gut in die heutige Zeit. Ich freue mich über Feedback.

Die Szene spielt in einem bürgerlichen Haushalt, die Protagonisten sind eine Frau und ihr Mann. Und irgendwo findet sich auch noch eine Schwiegermutter. Und eine Sekretärin. Es ist 20 Uhr.

Der Fernseher läuft. Die Eheleute sitzen am Esstisch nach dem Abendessen.
Er hat sein Handy und liest die Zeitung.
Sie bringt das Dessert. Stellt eine Schale vor Ihn hin.

ER
(Besieht sich das Dessert) Elvira, was ist das Rote im Dessert?

SIE
Was soll diese Frage! Das sind doch Erdbeeren! Hast du so was noch nie gesehen? Und überhaupt! Du dämlicher Depp! Du hast dich noch nicht einmal für das hervorragende Mahl bedankt, dass ich dir in
fünfstündiger Arbeit gekocht habe!

ER
(gelangweilt) Du meinst die Büchsenravioli und den faden Braten? Der ja ausserdem noch kalt ist?

SIE
So nennst du also meine selbstgemachten Canneloni und das Vitello Tonato? Du undankbarer Schuft… (seufzt) Warum tue ich mir das bloss jeden Tag an?

ER
Elvira, Schätzchen, so war das doch nicht gemeint… Natürlich weiss ich, dass du einen strengen Tag hinter dir hast. Das Blättern in den ganzen Katalogen und das Ausfüllen von Bestellformularen hat ja sicher viel Kraft gekostet… (lächelt)

SIE
Oh du… Ich wollte dir nur sagen… Ich liebe… dich…

ER
Könntest du bitte still sein. Ich hör ja sonst nicht mal mehr den Fernseher…

SIE
(aufgebracht) Was fällt dir ein! Du schaust dir doch sonst nie die Nachrichten an! Und erzähl mir jetzt nicht, die Nackedeis, die abends über den Bildschirm flimmern würden die aktuelle politische Lage analysieren.

Pause. Sie räumt ab. Setzt sich wieder zu ihm.

SIE
Schatz?

Keine Antwort

SIE
(wird etwas lauter, leicht gereizt) Schatz?

Keine Antwort. Er nimmt sein Handy. Seine Sekretärin ruft an und er flirtet mit ihr.

SIE
Schatz! Jetzt leg endlich dein Dinges weg und hör mir zu!

ER

(gelangweilt, legt das Handy wieder neben sich) Ja, Schatz?

SIE
Unterbrich mich nicht! Das Biest, äh, ich meine, deine Mutter hat angerufen.

ER
Oh je… Was wollte Sie denn?

SIE
Na was wohl? Sie fragte nach ihrem lieben Sohnemann. Und sie wollte natürlich wieder wissen, wohin wir in die Ferien gehen…

ER
(zögert) Du hast doch nicht etwa…

SIE
Schatz, ich weiss doch wie sehr du deine Mutter magst. Ich hab ihr gesagt, du würdest mit deiner Sekretärin und mir gemeinsam in die Ferien fahren.

Er springt schockiert auf.

ER
Das hast du nicht wirklich getan, oder?! Du weisst doch…

SIE
(blättert in einer Zeitschrift) Nein, natürlich nicht. Ich weiss ja, wie frigide die alte Schachtel ist…

Eine Weile herrscht ruhe. Das Handy klingelt

SIE
Schatz?

Da keine Antwort kommt…

SIE
Schaaatz?

ER
Ja? (Sein Handy klingelt wieder)

SIE
Schatz! Wir müssen über die Ferien sprechen! Ich möchte nicht wieder auf die Malediven. Letztes Jahr hat es jeden Tag nur Hummern und Austern gegeben…

ER
Denkst du etwa ich würde dich mitnehmen in die Ferien? Da ist mir meine Sekretärin lieber. Und die ist erst noch jünger als Du! Und ihre Brüste hängen nicht so runter.

SIE
Was fällt dir ein! Soll ich deine Mutter anrufen und ihr von unserem Swinger-Club-Besuch erzählen? Die wäre innerhalb von fünf Minuten hier!

Er schaut sie aufgeschreckt an.

ER
Das würdest du doch nicht tun! Du weisst doch…

SIE
Ja, ich weiss, mein Lieber.  Der frigide alte Drache, äh, ich meine, deine liebste Mutter würde das, glaube ich, nicht verstehen…

Er ruft seine Sekretärin an. Es ist besetzt.

SIE
Na, hat das Flittchen keine Zeit?

Er stöpselt sich Kopfhörer in die Ohren und hört Musik. Ziemlich laut.

SIE
Jetzt nimm endlich die Kopfhörer aus deinen Ohren, Kurt! Benimm dich gefälligst! Warum habe ich dich bloss geheiratet? (seufzt)

Das Telefon klingelt.

SIE
Keine Angst, mein Liebling (ironisch), ich geh ja schon (nach einigen Augenblicken) Kurt, deine Mutter!

Er steht auf, nimmt den Hörer.

ER
Ja, Mutti?

Nein, Mutti, du störst nicht.

Nein, Elvira ist nicht böse.

Ja Mutti, ich habe sie heute schon geküsst.

Nein Mutti, wir hatten diesen Monat noch keinen Liebesakt.

Aber Mutti, du weisst doch, dass Elvira keine Kinder kriegen kann.

Ja, Mutti, ich weiss! (genervt)

Mutti!

Mutti! Mein Bruder Ferdinand ist schwul!

Mutti! Ich muss jetzt Schluss machen. Der Hund will raus.

SIE
Kurt! Ich will die Scheidung!

Ich liebe dich. Erinnerst du dich noch an die letzte gemeinsame Nacht? Ich weiss, ist nun doch schon einige Wochen her. Wir lagen auf deinem Bett. Du hattest dein Lieblingsshirt an, das mit dem Mädchen und den Luftballons. Ich trug meine ausgebleichten Jeans und ein schwarzes Shirt. Dir gefiel es nicht, du sagtest aber nichts. Du hättest lieber gehabt, wenn ich etwas romantischeres angehabt hätte. Du hast mich in den Arm genommen und mir einen langen, sinnlichen Kuss auf die Lippen gedrückt. Hast meinen Nacken gestreichelt und mir ins Ohr geflüstert, dass du mich lieben und niemals verlassen würdest. Ich hab dir in deine wunderschönen Augen geschaut und dein Gesicht berührt. Damals hatte ich dir geglaubt. Deine Haut war weich wie die eines Kindes. Es war die letzte Nacht, die ich bei dir verbringen durfte; die wir beide zusammen verbringen durften.

Du hast dir einen passenden Tag ausgesucht: es regnet. Und nicht erst seit heute. Nein. Es hat schon vor ein paar Tagen angefangen. Die Menschen verschwinden in Regenjacken oder unter Regenschirmen. Die Eile geht weiter, lässt sich auch nicht durch Regen aufhalten. Ich stehe an deinem Grab. Der Pfarrer spricht einige trostspendende Worte. Worte, die an mir abprallen wie Regentropfen an meiner Plastikjacke. Tränen kullern über meine Wangen. Ich sehe das frisch geschaufelte Grab, deinen Grabstein und sehe dich. Überall und doch nirgends. Du bist da und doch nicht. Kann nicht mehr klar denken. Die Augen geschlossen, sehe ich dich vor mir. Du rennst. Rennst um dein Leben und doch wirst du immer langsamer dabei.

Der Pfarrer spricht weiter. Redet nun von deinem Eintritt ins Paradies. Dass Gott dich zu sich geholt hat. An seine Seite. Ich schaue ihn erstarrt an. Du hast dein Leben geliebt, hättest es nie leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Für deine Familie mögen diese Worte tröstend sein. Mich machen sie wütend. Wütend auf diejenigen, die dich dazu getrieben haben. Ich kanns nicht verstehen…

Den Weg, den du eingeschlagen hast, bist du ohne mich gegangen. Hast mich nicht eingeweiht, hast mir nichts erklärt. Ich musste es akzeptieren und wenn ich dich hätte aufhalten wollen; ich hätte dich ganz verloren. Es beschäftigte dich schon lange. Überschattete unsere Beziehung wie die dunklen Wolken am Horizont. Irgendwann werde ich erfahren, was mit dir los war. Warum du es getan hast.

Langsam entferne ich mich vom Geschehen. Mein Geist befindet sich nicht mehr in meinem Körper. Ich müsste aufwachen. Ich müsste laut schreien. Ich kann es nicht. Ich wandere durch die nasse Landschaft. Auf der Suche nach der Antwort, auf der Suche nach dir. Mein Herz weint mehr als es meine Augen zulassen. Du fehlst mir so. Ich suche, suche nach der Wahrheit… Alles, was ich finde, ist dein Grabstein. Regen tropft hinunter, in kleinen Bächen gen Ausgang. Es wird nicht mehr lange regnen. Es kann ja nicht immer regnen…

Seit einigen Jahren schon erreicht man mein Webblog unter der Adresse www.abhijitbossotto.com. Nun wurde es Zeit für ein neues Projekt oder vielmehr eine «Zentrale» für mein kreatives Schaffen. Da ich jedoch auf die inzwischen guten Google-Platzierungen nicht verzichten mag, findet man nun meine «Portal»-Seite unter www.abhijitbossotto.ch.

Da ich seit einiger Zeit meine Affinität für die englische Sprache entdeckt habe, werde ich versuchen, künftige Kurzgeschichten auch in der Sprache Shakespears zu verfassen. Mein Webblog bleibt allerdings deutschsprachig. Zumindest vorerst.

Meine «neue» Seite ist äusserst schlicht gehalten. Als Interaktion gibt es eine «Shoutbox» und natürlich ein Kontaktformular. Anders als meine bisherigen Seiten, habe ich diese ganz ohne CMS oder Webblog-Software erstellt. Back to the roots halt…

Wer künftig www.abhijitbossotto.ch im Browser eintippt, kann sich somit direkt ein Bild über meine Aktivitäten bei Twitter und/oder hier im Blog machen. Auch meine FlickR-Galerie ist eingebunden und zeigt die neuesten Bilder an.

Vorgestern hatte ich mal wieder Zeit um meinen Computer aufzuräumen. Dabei ist mir ein Fragment einer Geschichte in die Hände gefallen, die ich vor längerer Zeit begonnen und dann irgendwie in meinem persönlichen Chaos vergessen geglaubt hatte.

Es ist eine Geschichte, aufgeteilt in mehrere Kapitel, in der es um einen jungen, einsamen Menschen geht, der für sich eine Entscheidung fällen muss.

Ich habe mir vorgenommen, diese Geschichte in den nächsten Wochen, bis spätestens Weihnachten zu beenden. Sie soll mein persönliches Weihnachtsgeschenk werden.

Seit Freitag nun bin ich ohne Gips unterwegs. Nachdem man mir nun einige Nerven wieder an den richtigen Ort verlegt hat, muss ich mich wieder eingewöhnen, was vorläufig nicht ohne Schmerzen geschieht.

Offenbar war die Ursache in meiner Vergangenheit / in meinem Ursprung zu suchen. Aber jetzt ist vorläufig alles wieder in Ordnung.

Allerdings hat das ganze auch etwas Gutes: Ich hatte die ganze Zeit mein kleines schwarzes Notizbuch bei mir und habe mir immer wieder einige Notizen gemacht. Einer meiner Vorsätze war es, meine Gedanken vermehrt in Geschichten / Gedichte zu verpacken.

Stille. Der Raum ist erfüllt von Stille. Schwere, rote Vorhänge versperren die Sicht aus den Fenstern. Draussen regnet es. Ich höre die Regentropfen an die Scheiben prasseln. Irgendwo höre ich leise Musik. Ein Klavierspiel. Ich sehe dich auf dem Bett liegen. Du liegst da, schlafend, die Augen geschlossen. Menschen betreten das Zimmer, verharren eine Weile, verlassen uns so still wie sie gekommen sind.

Ich denke an die letzten gemeinsamen Tage zurück. Wir waren in den Bergen. Du, in der Stadt aufgewachsen, hast dich schnell an die Berge gewöhnt, hast sie schnell lieben gelernt. Oftmals sind wir einfach nur stundenlang gewandert, haben die Natur genossen, Arm in Arm. Irgendwie waren die vergangenen Maitage besonders. Wir haben beschlossen zu heiraten.

Erinnerst du dich?

Wir sassen auf deiner Lieblingsbank und haben über Gott und die Welt gesprochen. Du meintest, dass dich dein Studium ausfüllen würde und du sehr glücklich seist. In deinen Augen las ich, dass dich etwas bedrückt hat. Du wolltest es mir nicht sagen, wolltest den Moment, die Stimmung und unsere Liebe nicht belasten. Ich wollte dich heiraten. Ich wusste, es war der richtige Zeitpunkt dir einen Antrag zu machen. Und ich wusste, du wolltest es auch. Du hast meine Hände in deine genommen, mir tief in meine Augen geschaut und mich geküsst. Ja, du wolltest es auch…

Und jetzt liegst du da … Die Tür geht auf. Einige Menschen stehen unschlüssig an deinem Bett, wissen nicht, was sie sagen sollen. Sie bleiben still. Da durchzuckt mich ein Gedanke.

Erinnerst du dich?

Ich sehe dir nochmals in die Augen. Sie sind offen, jegliches Leben scheint wie ausgehaucht. Langsam bewege ich mich von dir fort. Meine Lippen öffnen sich, ich will noch etwas sagen … Stille. Es gibt nichts mehr, was ich sagen könnte, was ausdrücken könnte, was du mir bedeutest. Du wirst nicht mehr zurückkommen. Nie mehr. Doch, wir werden uns wiedersehen. Ganz sicher. Irgendwann einmal. Und bis dahin, warte.

Wie wäre es mit einer interaktiven Geschichte, an der jeder mitschreiben kann bzw. darf? Es gibt keine Grenzen und jegliche Phantasie ist erlaubt. Einfach hier weiterschreiben…

PS: Ich werde keine Kommentare löschen oder zensieren, sofern sie sich im üblichen (legalen) Rahmen halten!

Es war ein kalter Dezembertag. Weihnachten stand vor der Tür. Eigentlich ein Fest, auf das man sich freuen konnte. Doch, nicht für alle war dies das Fest der Liebe und der Brüderlichkeit. Nicht für die Armen der Stadt, deren Hüte und Teller sich zwar in der Weihnachtszeit stärker fühlten und auch nicht für die Verrückten und Einsamen, die das Fest unter ihresgleichen verbringen mussten. Wohl unter Menschen aber doch alleine. Die Einsamkeit war ihr Begleiter, der sie niemals verlies, der immer treu bei ihnen war und sie nur im Tod verliess…

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„Haben Sie schon einmal aus dem Fenster geschaut?“

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Weihnachten. Es hatte schon seit einigen Tagen geschneit und es sah auch nicht so aus, als würde es in den nächsten Tagen damit aufhören. Eine knöcheltiefe Schicht von Neuschnee verwandelte die Stadt in eine putzige Weihnachtsidylle. Das ohnehin schon eilige Treiben der Menschen war in diesen letzten Tagen vor Weihnachten nur noch grösser. Viele waren noch auf der Suche nach den passenden Geschenken und auf den Strassen und Trottoirs bildeten sich zeitweise richtige Menschenmassen. Alle waren von Weihnachten angesteckt. Jeder bekam etwas von dieser Stimmung mit. Sogar die Bettler merkten das Weihnachten war, wenn auch nur daran, dass ihre Hüte und Becher nun gefüllter waren.

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