Wortlücken… (Fragment)

Kurzgeschichten

Weihnachten. Es hatte schon seit einigen Tagen geschneit und es sah auch nicht so aus, als würde es in den nächsten Tagen damit aufhören. Eine knöcheltiefe Schicht von Neuschnee verwandelte die Stadt in eine putzige Weihnachtsidylle. Das ohnehin schon eilige Treiben der Menschen war in diesen letzten Tagen vor Weihnachten nur noch grösser. Viele waren noch auf der Suche nach den passenden Geschenken und auf den Strassen und Trottoirs bildeten sich zeitweise richtige Menschenmassen. Alle waren von Weihnachten angesteckt. Jeder bekam etwas von dieser Stimmung mit. Sogar die Bettler merkten das Weihnachten war, wenn auch nur daran, dass ihre Hüte und Becher nun gefüllter waren.

Für mich war Weihnachten ein Fest wie jedes andere auch. Ich musste bis um fünf Uhr abends arbeiten und würde dann – wie jedes Jahr – mit meiner Frau und meinem sechzehnjährigen Sohn zusammen Weihnachten feiern. Nein, wirklich freuen würde ich mich nicht. Es war seit Jahren nun schon eine reine Pflicht und seit Jahren war ich froh, wenn ich nach den stressigen Weihnachtstagen endlich wieder arbeiten gehen konnte.

Ich sass gerade an einer Tabellenkalkulation, als es an die Tür meines Büros klopfte. Es war Karen, meine bezaubernde Sekretärin, mit der ich mir manchmal einige vergnügliche Stunden gönnte. Natürlich war ich treu. So treu, wie man mit einer kaufslustigen Ehegattin auch sein konnte, die für Schuhe weitergehen würde als für ihren Mann. Es war ein stilles Abkommen zwischen uns: Ich durfte mir anderweitig das holen, was mir daheim verwehrt blieb und im Gegenzug bezahlte ich ihre Einkäufe und hielt auch dann still, wenn sie einmal für länger wegblieb.

Wir lebten aneinander vorbei. Warum wir uns nicht getrennt hatten? Ich weiss es nicht. Vielleicht waren wir zu müde um einen Neuanfang zu starten. Die alten Muster waren halt doch liebgewonnen.

Diese Kurzgeschichte habe ich vor längerem begonnen und nie vollendet… Ganz dem Titel entsprechend, belasse ich es dabei…

5 Comments

  1. Ja… nur ich hoffe, dass es noch Menschen gibt, die nicht in Lethargie verfallen und Nichtstun…

    Ich habe noch 2 weitere, längere Texte online gestellt, die ich ebenfalls schon vor längerem geschrieben habe. Freue mich auf dein Feedback, Christian!

  2. nur auf das von christian?

    (ich warte mal die antwort garnicht erst ab ^^)

    platz eins und eindeutig ein meisterwerk ist erinnerungen. die geschichte passt perfekt und das mit den traumeinschüben ist genial.

    ich finde die hier nicht so zum nachdenken und vermute auch es ist besser sie dem titel entsprechend zu belassen ;) abschied finde ich sehr gelungen, wenn auch etwas stimmungüberladen (stairway to heaven …).

    schreibst du viel?

  3. Hallo Stard,

    natürlich “erwarte” ich auch anderes Feedback :-D

    Ja, “Wortlücken” ist halt nur ein Fragment. Irgendwo im Hinterstübchen habe ich noch einen Teil dazu, aber irgendwie fehlt mir die Muse zum Schreiben der Zeilen.

    Vielen Dank für dein Lob zu “Erinnerungen” :-)

    Ja, “Abschied” ist schon ein wenig schnulzig. Aber ich denke, wenn man schon im Leben keinen grossen Auftritt hat(te), dann wenigstems im Abtreten…

    Ich schreibe eigentlich relativ viel, obwohl ich relativ viel wieder lösche und nur sehr wenig veröffentliche. Müsste ich mal ändern :-)

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